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Kleine Betrachtung zur Ausgestaltung
Wir beginnen unseren kurzen Weg vor dem Nordportal, dessen Abbildung die Titelseite dieser Festschrift ziert. Hier finden wir das Schriftwort aus dem 1. Buch Mose, „Genesis“ genannt, Kapitel 28,17, das uns den Sinn der Gestaltung des großen Kirchenraumes aufschließen will:

Wie heilig ist diese Stätte!
Hie ist nichts anders denn Gottes Haus und hie ist die Pforte des Himmels.


Das Spiegelmonogramm F 5 weist auf König Friedrich V. von Dänemark hin, der zu diesem Kirchenbau als Landesherr seine Einwilligung gab. Und die Zahl 1748 hält das Jahr der Grundsteinlegung fest.

Schauen wir nun hinauf auf das Kirchendach, so finden wir rechter Hand auf dem First den Dachreiter. Er trägt noch heute nach dem Brauch des Ziste rzienserordens die Klosterglocken und erinnert uns daran, dass diese Kirche 1748/49 noch als Kirche des alten Klosters Uetersen erbaut worden ist, über 200 Jahre nach der Einführung der Reformation in Kloster und Flecken Uetersen im Jahre 1555. Das Adelige Damenstift Kloster Uetersen hatte ja viele Rechte und Pflichten übernommen und bewahrt durch die Jahrhunderte. Zu ihnen gehörte auch das tägliche Gebet in dieser Kirche für des Landes Wohlfahrt. Darauf war bei diesem Neubau selbstverständlich zu achten. Auch das so reich geschmückte nördliche Portal als Eingang für die Ortsgemeinde gehört zu diesen Besonderheiten einer Klosterkirche.

Heute betreten wir die Kirche durch die westliche Eingangstür. Die kleine Eingangshalle und die Räume links und rechts sind erst 1962 bei der letzten Renovierung entstanden durch die Versetzung der westlichen Logenfenste rwand. Im linken Vorraum befinden sich einige Bilder früherer Pastoren dieser Kirche, darunter drei Arbeiten des Malers Kurt Roth und je eine Arbeit der Malerinnen Meta Kühl und Gordana Köllner.

Ein erster Blick nach rechts im Kirchenraum gilt dem alten Gotteskasten, getragen von der Figur des „armen Lazarus“. Man entdeckt auf den Eisenbeschlägen leicht die Jahreszahlen 1646 und 1674. Man hatte also die alte Kirche sorgsam ausgeräumt, um wertvolle und wichtige Stücke zu erhalten und in der neuen Kirche weiter zu nutzen. Dazu gehören die Taufe von 1700, der eiserne Kronleuchter über der Taufe von 1663, das Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert, Pfeifenwerk und Holz der alten Orgel und auch das Altarrelief, das 1690 von dem Uetersener Kapitän Wibers gestiftet worden war.Dieses Relief, eine Darstellung des letzten Passahmahles Jesu mit seinen Jüngern, bei dem er das Mahl des „Neuen Bundes“ stiftete, wurde 1749 in der durch den Landbaumeister Johann Otto Müller konzipierten Altar-Kanzel-Orgel-Wand der sinnvolle Mittelpunkt. Links und rechts stehen Mose und Aaron, das Brüderpaar, Prophet und Priester, die Gebot und Opfer, Gesetz und Gottesdienst des „Alten Bundes“ verkörpern (2. Mose 7 und 28). Die Stellung der Kanzel als Ort der Verkündigung des Evangeliums, der frohen Botschaft des „Neuen Bundes“, noch zwischen den Figuren mag uns daran erinnern, wie tief das Neue im Alten Wurzel hat. Über der Kanzel sieht man eine weitere Figurengruppe. Betrachten wir zunächst die allegorischen Figuren links und rechts. Sie versinnbildlichen Glaube und Hoffnung und halten dem Betrachter Kruzifix und Schrift (Glaube), Anker und Taube (Hoffnung) entgegen. Wir dürfen sie als Hinweis nehmen auf die Ausdeutung und Vertiefung der guten Botschaft in den Briefen des Neuen Testamentes. Zwischen diesen Figuren finden wir die Darstellung eines Bild aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Heiligen Schrift.

Dort wird in den Kapiteln 5 - 7 dieses Bild beschrieben: Das Lamm auf dem Thron ruht auf dem Buch mit den sieben Siegeln und trägt eine Fahne als Zeichen des Sieges. In der ganzen Heiligen Schrift ist das Bild des Lammes ein Hinweis auf die Liebe Gottes. So dürfen wir uns bei der Betrachtung dieses oberen Teiles der Altarwand an das Wort des Paulus an die Korinther erinnern:

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
(1. Kor.13,13)

Und wir blicken noch einmal hinunter auf das Relief des Passahmahles. Auch dort hat ja das Bild des Lammes seine besondere Bedeutung als Hinweis auf die bewahrende Gnade und Liebe Gottes (2. Mose 12).

Die Orgel, bekrönender Abschluss dieser Altarwand, wurde durch Johann Dietrich Busch (1700-1753) erbaut, einem Schüler des berühmten Arp Schnitger und dessen Nachfolgers Lambert Daniel Kastens. Busch hatte die Orgel der alten Kirche ausgebaut und dann viel vom Pfeifenwerk und einiges Holzmaterial bei seinem Neubau wiederverwendet. Das Werk hatte im 19. Jahrhundert nach dem Geschmack der Zeit einige Umbauten erfahren und wurde 1978 durch die Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath, Hamburg, im Pfeifenwerk restauriert und nach den alten Mensuren (Maßen) ergänzt, in der Technik aber ganz neu aufgebaut.

Der Blick der feiernden Gemeinde soll sich über Altar, Kanzel und Orgel erheben zu dem Deckenfresko, gemalt 1749 von dem italienischen Maler Giovanni Battista Innocenzo Colombo (1717-1793). Es stellt die „Verherrlichung der Dreieinigkeit“ dar. Das Bild beginnt nahe der Orgel mit dem „Engelkonzert“. Und dem musikalischen Verständnis seiner Zeit gemäß hat Colombo dabei die Violone, die große „Bassgeige“, in den Mittelpunkt des himmlischen Orchesters gerückt. Das Bild ist perspektivisch so angelegt, dass der Himmel sich öffnet, um die versammelte Gemeinde am himmlischen Gottesdienst teilhaben zu lassen.Blicken wir abschließend vom Altar aus noch einmal zur Eingangstür. Links und rechts an den Wänden finden wir Logen, die ursprünglich von außen direkt begehbar waren. Der Einbau einer Heizung im Jahre 1878 erst machte dies unmöglich. Unter jedem der großen Fenster findet man heute noch die zugemauerten Türöffnungen und Schwellen. Die „güldenen Schilde“ an der Westempore zeigen an, dass dies einmal der „Fräuleinchor“ war. Hier befand sich die Loge der Konventualinnen des Adeligen Damenstiftes. Dahinter war auf der Empore reichlich Platz für den Altar und das besondere Gestühl des Konventes für ihre täglichen Gottesdienste. Seit 1962 darf diese Empore für die kirchenmusikalische Arbeit genutzt werden. Die reiche Ausschmückung des Kirchenraumes mit Marmorierung und Vergoldung, mit Rocaillen-Malereien, Stuck und Schnitzwerk gibt deutlich Hinweis auf den festlichen Charakter dessen, was in dem Raum geschehen soll: Christlicher Gottesdienst mit dem Lobpreis Gottes durch die versammelte Gemeinde.
(Richard Plath, in: Festschrift 250 Jahre Klosterkirche, Uetersen 1999, S. 21 ff)